ADHS - Akupunktur-Sprechstunde

Wie ist der Stand der Forschung zur Anwendung der Akupunktur bei ADHS?

Etliche Forschungsarbeiten zeigen einen positiven Effekt der Akupunktur auf die ADHS-Kernsymptomatik.

Gleichzeitig lassen sich bei vielen Studien leider methodologische Mängel feststellen.

Der derzeitig höchste Level wissenschaftlicher Erkenntnis in der Medizin stellt das Systematic Review (systematische Übersichtsarbeit) mit einhergehender Metaanalyse (ein statistisches Verfahren) dar. Hier werden wissenschaftliche Studien mit hoher Teilnehmer*innenzahl und von hoher wissenschaftlicher Qualität aus der Vielzahl wissenschaftlicher Publikationen zu einem Thema herausgefiltert und inhaltlich und statistisch miteinander verglichen (Stichworte: Evidenzbasiertheit; evidence-based practice/ evidence-based medicine EBM).

Dies setzt voraus, dass die verwendeten Messparameter der verschiedenen Studien vergleichbar sind. Ferner, dass es mindestens eine Kontrollgruppe gibt und in jeder Gruppe (hier: Gruppe, die Akupunktur erhält; Kontrollgruppe, die z.B. MPH oder ATX erhält; ggf. zusätzliche Kontrollgruppe, die 'unechte' Akupunktur (ähnlich der Gabe eines Placebos) erhält)) ausreichend Teilnehmer*innen sind, um statistische Aussagen und Verallgemeinerungen generieren zu können und dass die Verteilung der Studienteilnehmer*innen auf die Gruppen zufallsverteilt erfolgt.

Zur Wirkung der Akupunktur bei ADHS liegen derzeit zwei solcher Systematic Reviews (vergleiche Li et al., 2011 sowie Lee et al., 2011) und eine Metaanalyse (vgl. Li et al., 2011) vor.

Allerdings waren nur drei (aus hunderten urprünglich gesichteten) Studien in das eine Systematic Review aufgenommen worden. Aufgrund der Unterschiedlichkeit in den Messmethoden liessen sich hiervon nur zwei Studien in einer Metaanalyse miteinander vergleichen. Selbst diese Studien wiesen gewisse methodologische Einschränkungen auf. Die Autoren fanden heraus, dass es eine gewisse Evidenz (Beweislast) für die positive Wirkung der Akupunktur auf die ADHS-Kernsymptomatik gibt, daß sich aber aufgrund der noch etwas dünnen Datendecke noch keine schlussendlichen Empfehlungen aussprechen lassen (Li et al., 2011).

Einige Daten zeigen, dass Akupunktur und MPH (z.B. Ritalin) ebenbürtige Ergebnisse liefern, daß die kombinierte Behandlung der alleinigen pharmakologischen Therapie jedoch überlegen ist (vgl. Li et al., 2011).

Zusammengefasst: Die wissenschaftliche 'Eisdecke' ist bereits im gewissen Maße tragend, muss jedoch noch aushärten, um letzliche Sicherheit zu garantieren, alle Schlittschuhläufer*innen tragen zu können.

Der Autor dieser Seite führte im Rahmen seiner MSc-Dissertation eine Studie zum Thema durch. Diese zeigte ebenfalls einen positiven Einfluss der Akupunktur sowohl auf die ADHS-Kernsymptomatik als auch auf die Wahrnehmung von/ den Umgang mit Stress (vgl. May, 2019).

May, N. (2019) The Impact of Acupuncture on self-perceived Stress and ADHD Core Symptomatology in an adult, Atomoxetine-taking ADHD Participant.

An in-depth Single Case Study. MSc Dissertation Advanced Oriental Medicine (Research and Practice), Northern College of Acupuncture, York, UK.

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